Was ist, ist (Rund ums GlĂĽck 2)

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Bist du oft unglücklich mit deiner Lebenssituation? Ärgerst du dich oft darüber, dass die Dinge nicht so laufen, wie sie es sollten? Wie oft kommt es vor, dass du bei deiner Arbeit auf die Uhr schaust und dir den Feierabend herbeiwünschst? Bist du häufig gestresst?

In diesen Fällen bist du mit dem Kopf nicht wirklich bei der Sache.

Du bist verloren in der Zeit.

Doch Zeit ist nur eine Illusion.

Alles was du hast, was du jemals haben wirst, ist der jetzige Moment …

GlĂĽck und Freude liegen im Moment

Kreatives Schreiben ist eine der Tätigkeiten, bei der es mir sehr leicht fällt, mich in Freude zu verlieren. Die Zeit plätschert nur so dahin … Stunden fühlen sich an wie Minuten. Aber das Leben ist nicht nur Zuckerschlecken. Etwas, woran ich neulich erinnert wurde, als ich zwölf Runden mit meiner Steuererklärung zu Gange war. Was also tun in solchen Situationen?

Das Zauberwort hier ist: Einstellung.

Einstellung macht einen gewaltigen Unterschied. In vielerlei Hinsicht hängt Freude nicht einmal davon ab was du machst, sondern wie du es machst. Bereitwilligkeit, Freude und Enthusiasmus sind hier die Zauberworte.

“This is the real secret of life — to be completely engaged with what you are doing in the here and now. And instead of calling it work, realize it is play.” ― Alan W. Watts

Es geht hier um die Freude am Sein.

Im Moment zu leben, bedeutet glücklich und zufrieden zu sein mit dem, was man genau in diesem Augenblick hat. Für viele ist der Moment jedoch nur ein Mittel zum Zweck, um in eine (imaginäre) Zukunft zu gelangen. Sie sind so damit beschäftigt, woanders sein zu wollen, dass ihr Leben an ihnen vorbeirauscht.

Solche Menschen sind nicht verloren im Moment, sondern im Verlangen.

Und wie der Buddha schon sagte: Verlangen ist Leiden.

Das Verlangen

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Viele Menschen machen Glück und Zufriedenheit von etwas Externem (Besitz, Status, etc.) oder generellen Idealvorstellungen abhängig. Für sie ist das Glück immer hinter dem Horizont.

Ein paar der Lügen, die man sich gerne erzählt sind:

Wenn ich schlank bin, werde ich glĂĽcklich sein.

Wenn ich reich bin, werde ich glĂĽcklich sein.

Wenn ich einen Partner habe, werde ich glĂĽcklich sein.

Wenn ich meinen Traum-Job habe, werde ich glĂĽcklich sein.

Wenn ich in Rente gehe, werde ich glĂĽcklich sein.

 Wenn mich die Menschen akzeptieren wie ich bin, werde ich glücklich sein.

Sorry, wenn ich jetzt eure Seifenblase zum platzen bringe, aber all das ist Bullshit. 🙂

In all diesen Fällen wird euer innerer Friede von etwas in der Zukunft abhängig gemacht. Der Meinung der anderen, einem Objekt oder einer idealen Situation. Klar mögen all diese Dinge dabei helfen, glücklich zu sein – jedoch nur für einen Moment. Den Moment, in dem du dein Ziel erreicht hast und „Sieg!“ schreist.

Doch solch ein Sieg ist oft hohl.

Erfolge dieser Art werden die Leere nur kurz füllen, bevor sich der Unmut wieder bemerkbar macht. Dann braucht man mehr. Mehr Geld. Mehr Sex. Mehr Erfolg. Mehr Vergnügen. Wie bei einer Droge hetzt man dann sogleich dem nächsten Erfolg hinterher. Als wäre das Leben eine Check-Liste, an deren Ende immerwährendes Glück auf einen wartet. Das tut es nicht. Leben ist da, um gelebt zu werden. Jetzt.

“The art of living… is neither careless drifting on the one hand nor fearful clinging to the past on the other. It consists in being sensitive to each moment, in regarding it as utterly new and unique, in having the mind open and wholly receptive.” ― Alan W. Watts

Wenn man das Glück in der Zukunft sucht, wird man es nie finden. Nicht in Form eines dauerhaften Zustandes – und ist es nicht das, was wir alle wirklich wollen? Wäre es da nicht besser, im Moment zu leben? Sich an dem zu erfreuen, was man hat? An dem, was ist?

Das bedeutet nicht, Ambitionen über Bord zu werfen und sich keine Ziele mehr zu setzen. Ganz das Gegenteil. Findet euren Traumjob, werdet reich an Geld und Freunden und geht glücklich in die Rente. Wartet aber nicht auf morgen, um glücklich zu sein. Der Moment – dieser Moment – ist der einzige, den ihr jemals haben werdet. Glück kann nicht in der Zukunft liegen. Nur im Jetzt.

Natürlich kann das Jetzt unangenehm sein … Vielleicht steckt ihr gerade in einem Job fest, den ihr hasst, seid krank, habt Stress mit Freunden und Familie, leidet unter Angst und Terror. In solchen Fällen erscheint die Zukunft als Erlösung … Was nicht ganz richtig ist, denn der Weg aus jedweder Situation liegt im Moment, kann nirgendwo anders liegen.

Wenn ihr euch in einer Situation befindet die euch missfällt und die euch bitter macht gibt es jedoch Dinge, die man tun kann, um dies zu ändern.

Zuallererst mĂĽsst ihr euch jedoch den Fakten stellen.

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When Shit happens – accept it!

VerkrĂĽppelt? Job verloren? Vater enterbt dich? Freundin mit dem besten Freund erwischt?

Pech gehabt! Das Leben ist nicht fair.

Ist zwar Scheiße, aber jeder erleidet mal Schicksalsschläge – und ja, die bilden den Charakter (in der einen oder anderen Form). Du hast keinen Einfluss darauf, welche Knüppel dir das Leben zwischen die Beine wirft. Worauf du jedoch Einfluss hast, ist, wie du mit den Situationen umgehst, die dir zuteil werden.

In so einer Situation kannst du zwei Dinge tun.

1. Jammern und dich selbst bemitleiden.
2. Oder deine Situation voll und ganz akzeptieren und das Beste daraus machen.

Die Jammer-Option kann ich nur empfehlen, falls du die Situation noch schlimmer machen willst. (Ich hab sie ausgiebig getestet und kann sie nicht empfehlen …) Kurz Dampf ablassen ist ok, aber danach solltest du dich schnellstmöglich Option 2 zuwenden:

Akzeptanz.

Akzeptiere deine derzeitige Situation, so als ob du sie freiwillig gewählt hättest – auch wenn es schwer fällt.

Die Kernaussage hier ist „akzeptiert als ob“ – denn Tatsache ist, dass kein normaler Mensch sich freiwillig Schicksalsschläge aussuchen würde. Doch wenn du die Dinge akzeptierst „so als ob“ du sie gewählt hättest, kommt damit eine gewisse Ruhe. Und diese Ruhe wird dir dabei helfen, deine Situation zu verbessern.

Wie zum Beispiel durch …

Wandel und Veränderung

change_quotes-301752Ok. Du hast akzeptiert, dass du in einer beschissenen Situation bist. Was jetzt?

Versuche, die Situation zum Besseren zu ändern. Dies erfordert in der Regel viel Arbeit und, im Falle von zwischenmenschlichen Beziehungen, gute Kommunikation.

Gute Kommunikation ist extrem wichtig in allen Lebenslagen, bedarf Zeit, Übung und eine gewisse Finesse, ist aber unerlässlich für erfüllende zwischenmenschliche Beziehungen.

Wenn du dich in einer Situation befindest, die dich unglücklich macht, kann sie oft durch gute Kommunikation geändert werden. Vielleicht ist dein Chef sich nicht den Umständen bewusst, die deinen Job zu einer Qual machen. Vielleicht ist deine Beziehung so verfahren, weil es an guter Kommunikation mangelt und ihr nicht über die Dinge redet, die wirklich wichtig sind. Vielleicht wollen deine Eltern nur das Beste für dich und nörgeln deswegen die ganze Zeit an dir und scheinen nie zufrieden mit dem, was du tust …

Was auch immer der Grund ist, in den meisten Fällen ist entweder Bequemlichkeit oder Angst ein groĂźer Faktor. Angst, dass euer GegenĂĽber euch und eure Meinung ablehnen wird. Angst, dass ihr die Situation nur noch schlimmer macht …

Stellt euch eurer Angst. In vielen Fällen kann eine schlechte Situation dadurch geändert werden, dass ihr den Mund aufmacht, und klar und direkt alle Probleme zur Sprache bringt. Dies wird nicht immer einfach sein und oft ist es mit viel Arbeit verbunden – doch fast immer ist es diese Arbeit wert.

Was aber, wenn du dich in einer Situation befindest, die weder durch Worte noch durch Taten geändert werden kann?

In diesem Fall mag ein Schlussstrich die beste Lösung sein.

Entferne dich aus der Situation

Diese Situation kann von einem verhassten Job, zu einer Beziehung, die dich verkrĂĽppelt oder einfach nur einer Party mit Leuten, die du nicht leiden kannst, reichen.

Was auch immer die Situation ist, in den meisten Fällen können wir uns aus ihr entfernen. Wandel dieser Art mag zwar Ängste hervorrufen, aber oft bedeutet ein Schritt ins Ungewisse eine Chance auf eine bessere Zukunft.

Dies ist dein Leben. Jeder Augenblick. Jeder Tag. Jede Minute. Ja, jede Sekunde ist kostbar. Mehr noch. Sie sind unersetzbar.

Am Ende des Tages bist du fĂĽr dein Leben verantwortlich und wie du es lebst. Kein anderer.

Doch was, wenn du eine Situation weder ändern, noch dich aus ihr entfernen kannst? Was, wenn ein Unfall dir deine Beine genommen hat? Wenn jemand dir das Herz gebrochen hat? Wenn reden keine Option mehr ist oder dich keiner versteht?

Was, wenn du sterben musst?

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Dann gibt es nur eines, das du tun kannst, um glücklich zu sein …

Absolute Akzeptanz

Wenn du dich in einer Situation befindest, die du nicht ändern kannst – akzeptiere sie voll und ganz.

Ein weiser Mann hat einst gesagt: „Es bringt nichts, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann.“ – Und das ist wahr.

In der Tat zeugt es von nichts anderem als Wahnsinn, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann. Man stelle sich nur einen Mann vor, der den Himmel anschreit, weil er blau ist und nicht grün. Oder der eine Uhr anschreit, weil die Zeit nicht schnell genug vergeht …

Was ist, ist – und kann nicht anders sein.

Akzeptiert eure Realität und kämpft nicht dagegen an. Arbeitet mit dem, was ist, nicht mit dem, was niemals sein kann. Wenn ihr eure derzeitige Realität akzeptiert, wenn ihr aufhört, euch gegen sie zu sträuben, wird Frieden folgen …

In manchen Fällen, wie zum Beispiel, wenn ihr in einer Warteschlange steht, wird diese Akzeptanz fast Augenblicklich spürbar sein. Ihr seid dann nicht mehr in einer nervigen Warteschlange und verliert Zeit, sondern wartet einfach. Könnt beobachten, den Moment genießen, atmen. Das Leben muss nicht schwer sein … wir machen es oft nur dazu.

Erst kürzlich habe ich mir einen Hexenschuss von beeindruckendem Ausmaß zugezogen. Ich hätte mich nicht einmal vorneüberbeugen können, wenn mein Leben davon abhängig gewesen wäre. Zuerst habe ich mich dagegen gesträubt, mich darüber geärgert und gedacht, „Fuck! Heute läuft ja gar nix wie geplant.“ Und „So werde ich nie mit meiner Arbeit fertig.“

Dann jedoch habe ich die Situation voll und ganz akzeptiert, habe mit ihr gearbeitet und nicht gegen sie. Was folgte, waren ein paar der besten Tage, die ich je hatte. Die Akzeptanz der Schmerzen und der Limitierungen verlieh dem Augenblick und allem was ich tat eine neue Qualität. Jede körperliche Tätigkeit, musste konzentriert und bedacht ausgeführt werden, jede noch so kleine Aktivität war ein Erfolg. Alleine schon meine Schuhe zu binden, war eine Leistung, spazieren zu gehen, vergleichbar mit einem 5 km Lauf. Alltägliche Tätigkeiten nahmen eine neue, wunderbare Qualität an … Und als mein Rücken besser wurde, habe ich diese Bedachtsamkeit und Konzentration einfach beibehalten.

War eine schöne Zeit. 🙂

Surrender is perfectly compatible with taking action, initiating change, and achieving goals.  But in the surrendered state a totally different quality flows into
your doing.  In the state of surrender, you see very clearly what needs to be done, and you take action, doing one thing at a time and focusing on one thing
at a time. – Eckhart Tolle

In anderen, mehr permanenten Situationen mag absolute Akzeptanz problematischer sein. Situationen, in denen euch etwas genommen wurde – wie euer Selbstbild – sind nicht ganz so leicht zu schlucken.

Ich spreche vom Ego.

Letzten Monat warst du noch ein Marathonläufer – jetzt sitzt du im Rollstuhl. Vor einem Jahr warst du noch gesund und durftest essen, was du wolltest, doch jetzt hast du Diabetes. Vor einem Jahrzehnt warst du noch jung und konntest arbeiten, doch heute bist du schwach und gebrechlich. Vor kurzem dachtest du dich glücklich verheiratet, und jetzt bist du ein gehörnter Ehemann. Einst warst du reich, jetzt bist du arm.

Die Vergangenheit gibt uns Identität, doch diese Identität wird zu einer Last, wenn sich unser Selbstbild zum (scheinbar) Negativen verändert.

Ich kann nur sagen: Du bist mehr als deine Vergangenheit! Du brauchst sie nicht, und erst recht nicht musst du dich von ihr definieren lassen. Vor allem, wenn die Vergangenheit dir eine Opfer-Rolle aufzwingt …

Zum Ego werde ich in einem weiteren Artikel noch etwas sagen, doch fĂĽr den Moment will ich euch einfach nochmals diese drei Worte ans Herz legen:

Was ist, ist.

Zeit für den Story-Modus …

Inwiefern lässt sich das oben beschriebene beim Geschichten erzählen anwenden?

Kommen wir zunächst einmal zum Verlangen, welches an und für sich ein wichtiges Werkzeug im Repertoire eines jeden Erzählers sein sollte. Verlangen und Charaktermotivation gehen Hand in Hand und helfen eine starke Bindung zwischen Leser und Helden (oder Bösewichtern) zu schaffen. Ergo brauchen eure Hauptcharaktere irgendein Ziel, irgendetwas wonach es ihnen verlangt. Es gibt der Geschichte eine gewisse Richtung und wird euch zudem einiges über den Charakter erzählen.

Was dieses etwas ist, nachdem sich euer Charakter verzehrt, bleibt euch überlassen und kann von Dingen wie „Ich muss die Weltherrschaft an mich reißen“, zu „Ich will einen Kaffee!“ reichen. Was es auch ist, es ist der rote Faden der sich durch die Geschichte zieht und damit ein wichtiger Teil des Plots.

Das Streben eures Charakters nach dem was er will, sollte in regelmäßigen Abständen der Geschichte an die Oberfläche brechen; ähnlich wie Moby Dick, der von Captain Ahab unablässig gejagt wird. Es bleibt euch überlassen, ob dieses Verlangen euren Charakter verzehrt (wie Ahab) oder ob er sein Verlangen eher als ein Spiel sieht.

Zwei Beispiele fĂĽr diese unterschiedlichen Herangehensweisen sind Batman und der Joker. Beide haben ein starkes Verlangen bzw. Ziel das sie antreibt. Batman lebt um Verbrechen auszumerzen; der Joker hingegen strebt nach Chaos in allen Formen. FĂĽr den einen ist alles nur ein Spiel, fĂĽr den anderen eine heilige Aufgabe.

Batman wird von der Vergangenheit und Zukunft gequält.

Der Joker lebt im vollkommenen Moment und ist glĂĽcklich.

Wer denkt ihr ist der glĂĽcklichere der beiden?

(Und ja, ich weiß das beide einen Sprung in der Schüssel haben.) 🙂

Was die Akzeptanz der Dinge angeht möchte ich mit euch über etwas reden was ich den Zen-Helden (oder Bösewicht) nenne. Charaktere, welche die Dinge so nehmen wie sie kommen und sich nicht emotional aus dem Konzept bringen lassen.

Ein Paradebeispiel für einen solchen Zen-Helden wären die Charaktere von Sherlock Holmes und Professor Moriarty. Zwei meiner absoluten Lieblingscharaktere, welche seit ihrer Erschaffung Millionen von Lesern in den Bann geschlagen haben. Ich behaupte, dass einer der Hauptgründe, warum wir diese Charaktere so interessant finden, ihre Anpassungsfähigkeit ist.

Beide leben nach dem Prinzip, „Was ist, ist.“

Beide haben eine enorme Kapazität die Dinge so zu nehmen wie sie sind. Sogar im Angesicht von Verlust oder Niederlage, haben sie wiederholt bewiesen, dass sie in der Lage sind Schicksalsschläge ungewöhnlich schnell zu akzeptieren. Sie lernen um es in Zukunft besser zu machen. Keine Energie wird auf Jammern oder Wehklagen verschwendet.

Eine kleine Video demonstration hier. 🙂

Nach außen hin, mögen beide Charaktere daher emotional kalt erscheinen. Emotional effizient wäre meiner Meinung nach, eine bessere Beschreibung. Keiner verschwendete groß Zeit darauf, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht mehr ändern konnte.

Was ist, ist. = Survival of the Fittest 🙂

Bis demnächst,

Marco